Schweizer Stahlbaupreis Prix Acier 2021

Mit dem Prix Acier werden Bauwerke ausgezeichnet, welche exemplarisch für die architektonische Qualität und technische Leistungsfähigkeit des Schweizer Stahl- und Metallbaus stehen.

Der renommierte Schweizer Stahlbaupreis Prix Acier existiert seit 2005 und wurde nun zum 8. Mal vergeben. Der Preis wird mit Unterstützung der Dachorganisation des Stahl- und Metallbaus metal.suisse realisiert und erhält damit eine breite Abstützung durch die Branche.

Gewinnerprojekte

Anerkennungen

Die Gewinner

♦ Negrellisteg, Zürich

Projektpartner

Bauherrschaft:
Schweizerische Bundesbahnen SBB
und Stadt Zürich

Architektur und Tragwerksplanung:
ARGE Conzett Bronzini Partner /
DIGGELMANN + PARTNER AG /
10:8 Architekten GmbH, Chur

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
Officine Ghidoni SA, Riazzino

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Photos: René Dürr

La passerelle porte le nom d’un illustre ingénieur, Luigi (Aloïs) Negrelli (1799 – 1858) originaire du Trentino qui a notamment œuvré avec talent en Suisse et à Zürich où il a entre autres dirigé la construction du pont du Münster.
« Egli (Negrelli) vedeva le cose dall’alto, in grande, come un vero genio » Linant de Bellefonds, explorateur et ingénieur du canal de Suez dessiné par Negrelli.

L’ouvrage réalisé par les ingénieurs Conzett Bronzini Partner, Diggelmann + Partner avec 10:8 Architekten et Officine Ghidoni se déploie tel un fil tendu sur un outil de tissage, s’enroulant sur ses deux bâtons d’extrémité. C’est un geste simple et précis qui croise la dense trame des rails de chemin de fer.
La composition de l’ouvrage ne laisse rien au hasard, elle est pragmatique et holistique à la fois. Tout est intégré et pensé : son insertion dans le site, sa matérialité, sa fonction, son usage et ses méthodes de construction. De l’échelle urbaine au plus petit détail, la passerelle se construit et s’insère avec justesse  dans la ville de Zürich.
Sa mise en œuvre par poussage devait s’adapter aux contraintes temporelles et de sécurité liées à une réalisation au-dessus des voies de chemin de fer. L’exploitation de la gare la plus fréquentée de Suisse devait en effet être garanti en tout temps.
La structure porteuse principale, un étroit caisson en acier supportant un plancher orthotrope, s’enroule autour des cages d’ascenseur et s’élance aux dessus des voies avec élégance et légèreté. Sa hauteur varie en augmentant jusqu’au milieu de l’ouvrage dessinant un subtil profil bombé. Seules deux couples d’appuis sont nécessaires pour franchir les 161 m qui permettent de relier les quartiers en forte expansion de Europaallee et de Zollstasse. Ces supports reposent sur les rampes des deux tunnels existants et stabilise l’ouvrage.
La construction en acier se présente comme un ouvrage monolithique évoluant depuis ses rampes hélicoïdales vers la structure de franchissement. Les détails constructifs sont extrêmement précis, discrets et fonctionnels. Preuve en est la balustrade élégamment tissée par une maille métallique, sa main courante en bois, son éclairage intégré et son dispositif de protection des caténaires. Ou encore le détail de l’évacuation des eaux au centre du caisson, efficace et invisible.  Tout est dessiné et réalisé avec précision et soin.
Le jury a été séduit par ces qualités et la cohérence du projet qui lui donne une expression simple et discrètement précieuse. La passerelle est élégante et essentielle, un très bel hommage à Luigi Negrelli.

23 juin 2021 | Gabriele Guscetti

♦ Sanierung und Erweiterung Schulanlage Auen, Frauenfeld

Projektpartner

Bauherrschaft:
Sekundarschulgemeinde Frauenfeld

Architektur:
jessenvollenweider architektur ag, Basel

Tragwerksplanung:
ZPF Ingenieure AG, Basel

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
Pfister Metallbau AG, Mauren /
Tuchschmid AG, Frauenfeld /
Krapf AG, Engelburg

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Fotos: jessenvollenweider architektur ag

Die Schulanlage Auen, 1969 von Barth und Zaugg in Frauenfeld gebaut, ist – frei nach ihrem Vorbild Mies van der Rohe (IIT Campus Chicago 1946) –
durch einen einheitlichen, durchgehenden modularen Grundraster definiert, der alles, von der städtebaulichen Setzung über die Tragstruktur bis hin zu den Fassadenteilungen dieser Stahl-Glas Architektur, definiert.

jessenvollenweider Architekten eignen sich mit ihrer sehr feinfühligen, aber auch kultivierten Vorgehensweise die Sprache dieses vom Raster generierten modularen Stahlbaus an. Sie zeigen dabei eine profunde Kenntnis und, bis hin zum Kennwort «Phyllis», intensive Auseinandersetzung mit der «Solothurner Schule» und ihren Vorbildern Mies van der Rohe und Konrad Wachsmann.
Das Projekt stellt in vielerlei Hinsicht, gestern wie heute, ein exemplarisches Beispiel für die Vorzüge des modularen Montagebaus in Stahl dar. Es zeigt auf, wie nachhaltig Stahlbau insbesondere in der Auslegung der «Solothurner Schule» und ihrer Vorbilder dank seinen systemischen Qualitäten sein kann.
Die Planenden zeigen eindrücklich auf, wie leicht und natürlich dank ihrer kultivierten Zurückhaltung der denkmalgeschützte Bestand in seiner baukulturellen Integrität erhalten bleibt, während die bestehende Turnhalle systemkonform unter Erhaltung der Bausubstanz erweitert wird, und das vorgefundene Ensemble der Schulanlage Auen, dank einer neuen Interpretation des generierenden Rasters, durch drei Neubauten organisch ergänzt wird. Der pragmatische Eingriff in die Situation und Komposition erweist sich in Wirklichkeit als subtile Auseinandersetzung mit der Baukultur des Bestands. Eine Haltung, die in ihrer Einfachheit und Klarheit im Geiste des Originals weiterbaut.
Es entsteht ein völlig neues Ensemble, das die ursprüngliche Idee so weit verstärkt, dass man das Gefühl hat, es sei schon immer so gewesen. Der neue Campus wird Teil des kollektiven Gedächtnisses.
Dabei verzichten jessenvollenweider Architekten zusammen mit zpf Ingenieuren keineswegs auf eine eigene architektonische und konstruktive Handschrift. Im Gegenteil: Die Architektur der Neubauten nimmt zwar die strukturelle Logik der Bestandsgebäude auf, interpretiert sie aber völlig neu. Das Stahltragwerk der neuen Pavillons wird nach aussen gelegt, die Stützen sind konsequenterweise aus den Ecken geschoben und machen bei aller Verwandtschaft mit dem Bestand den differenzierten Charakter der Neubauten ablesbar: wie eine Sprache, die sich ständig erneuert, wie ein urbanes Palimpsest das ständig überschrieben wird, in seiner Essenz aber immer lesbar bleibt: als Stahlbau.

23. Juni 2021 | Aldo Nolli

♦ Erneuerung Saaneviadukt inkl. Doppelspurausbau
Mühleberg, Gümmenen, Ferenbalm

Projektpartner

Bauherrschaft:
BLS Netz AG, Bern

Architektur:
Flury und Rudolf Architekten AG, Solothurn

Tragwerksplanung:
Fürst Laffranchi Bauingenieure GmbH, Aarwangen

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
SCHNEIDER STAHLBAU AG, Jona /
SENN AG, Oftringen

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Fotos: Fürst Laffranchi, BLS Netz AG

Anbauen, Weiterbauen, Umbauen, Umnutzen, Erweitern, Sanieren und Flicken – der Umgang mit bestehenden Bauwerken ist vielfältig und reizvoll, die Suche nach der Balance zwischen Substanzerhalt und neuen Anforderungen aus Nutzung und Betrieb eine ganz spezielle Herausforderung. Selten ist das Ergebnis einer derart heiklen Aufgabenstellung so stimmig und in allen Belangen gelungen wie in diesem Fall.

Tatsächlich erkennt man die erneuerten Bestandteile des Saaneviaduktes erst auf den zweiten Blick – die dezente neue Betonplatte auf der gesamten Viaduktlänge, die beidseitig auskragend die Fahrbahn auf zwei Spuren verbreitert – und das vollständig neue Stahlfachwerk, das sich unaufdringlich in die historische Bausubstanz einfügt.
Das bestehende Fachwerk aus genietetem Flussstahl war nach beachtlichen 120 Betriebsjahren am Ende seiner Nutzungsdauer angekommen, eine Erhöhung der Belastung durch den geplanten zweispurigen, schnelleren Betrieb mit vernünftigem Aufwand nicht mehr möglich. So war die Bauherrschaft zusammen mit der zuständigen Denkmalpflege bereits vor dem Wettbewerb zum Schluss gekommen, das Fachwerk zu ersetzen.
Wie aber ersetzt man ein so zentrales Bauteil, ohne plump zu kopieren, gleichzeitig jedoch der Geschichte den verdienten Respekt erweisend? Das hier entworfene Stahlfachwerk löst diese Aufgabe exemplarisch, indem es optisch die gekreuzte Stabanordnung übernimmt, statisch und ausführungstechnisch hingegen dem Fortschritt der letzten 120 Jahre Rechnung trägt. Der Kraftfluss im Fachwerk ist ablesbar an der steiler werdenden Anordnung der Kreuze zu den Auflagern hin und dem zur Fachwerkmitte hin ansteigenden Querschnitt des Zuggurtes. Aus den Blechen werden Hohlprofile, aus den vielen Nieten moderne Schweissverbindungen, selbstverständlich ermüdungsgerecht optimal ausgearbeitet und gegen Korrosion geschützt.
Die Erneuerung des Saaneviaduktes ist ein Projekt, dessen Raffinesse sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick erschliesst, dessen genial subtiler Ausarbeitung man sich aber mit zunehmender Betrachtungsdauer immer weniger entziehen kann. Ein grosses Lob geht dabei an die Planenden und Ausführenden für diese statisch und gestalterisch äusserst elegante Umsetzung einer kniffligen Aufgabenstellung. Gleichzeitig ziehen wir insbesondere den Hut vor dem Mut der Bauherrschaft und der involvierten Denkmalpflege, diese Art der (Teil-) Erneuerung zu erlauben und damit den Weg zu bereiten das Denkmal Saaneviadukt weitere 100 Jahre nutzen zu können.

22. Juni 2021 | Jacqueline Pauli

♦ Stade de la Tuilière, Lausanne

Projektpartner

Bauherrschaft:
Ville de Lausanne

Architektur:
:mlzd & Sollberger+Bögli architectes, Biel

Tragwerksplanung:
Dr. Lüchinger+Meyer Bauingenieure AG, Zürich

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
SOTTAS SA Constructions métalliques, Bulle

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Photos: Ariel Huber

Le projet du nouveau stade de football de la ville de Lausanne est le parfait exemple du mariage des différents matériaux dont les propriétés sont pleinement exploitées.

La nouvelle infrastructure sportive « Centre sportif de la Tuilière » est un enchaînement sur deux rangées, d’un total de neuf terrains de football et d’un complexe d’athlétisme incluant un centre d’entraînement. Situé au nord de la ville de Lausanne, ce nouveau stade de football est une construction ambitieuse, mêlant simplicité et pragmatisme.
Conçu exclusivement pour les matchs de football et les grands événements, ce bâtiment sportif se démarque par son architecture à la fois simple et efficace.
En raison du programme de rencontres sportives et de son emplacement à la périphérie, les concepteurs de ce bâtiment de grande envergure ont axé leur principal objectif sur sa fonction primaire, c’est-à-dire, un complexe sportif. Grâce à sa structure rudimentaire mais remarquable, il porte une symbolique forte de l’identité culturelle, sportive et architecturale de la ville. Sa structure est avant tout conventionnelle, respectant les exigences propres à tout stade sportif. Les gradins sont agencés en pente raide de sorte que le public puisse être littéralement au plus près de l’action, tout comme le toit placé bas et qui amplifie les applaudissements et chants scandés par les supportrices et supporteurs. De cet ensemble architectural et structurel résulte une contribution significative aux évènements qui s’y tiendront.
Le nouveau stade de football de Lausanne est une belle réussite architecturale et technique. Elle offre une lecture facile et engageante du bâtiment. Cette construction en apparence simple revêt un subtil équilibre entre les différents matériaux et forces employés. Misant sur une géométrie récurrente et des lignes épurées, la conception de ce stade a été récompensée pour sa parfaite alliance entre beauté et efficacité.

23 juin 2021 | Sébastien Emery

Die Anerkennungen

♦ Neubau Zweite Hinterrheinbrücke Reichenau (Sora Giuvna), Reichenau-Tamins

Projektpartner

Bauherrschaft:
Rhätische Bahn AG

Architektur:
Dissing+Weitling A/S, Kopenhagen (DK)

Tragwerksplanung:
WaltGalmarini AG, Zürich und
COWI UK Limited in Ingenieurgemeinschaft, London

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
ARGE SCHNEIDER STAHLBAU AG, Jona /
JÖRIMANN STAHL AG Walenstadt /
Toscano Stahlbau AG, Cazis

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Fotos: Roman Sidler, Stéphane Braune

Die Bahnlinie Chur – Thusis der Rhätischen Bahn (RhB) überquert den Hinterrhein gleich nach der Bahnstation Reichenau-Tamins auf einer dreifeldrigen Fachwerkbrücke. Diese wurde im Jahr 1896 fertiggestellt.

Während die Bahnstrecke von Chur nach Reichenau-Tamins schon in den 1960er Jahren zweigleisig ausgebaut wurde, bildete die einspurige Brücke ein betriebliches Nadelöhr, das häufig zu Wartezeiten bei sich kreuzenden Zügen führte. Aus diesem Grund beschloss die Direktion der Rhätischen Bahn, die denkmalgeschützte Hinterrheinbrücke durch eine zweite, parallel zu ihr über den Hinterrhein führende Brücke zu entlasten. Für diese technisch wie architektonisch anspruchsvolle Aufgabe führte die Bahn einen einstufigen, anonymen Projektwettbewerb durch.
Das vorliegende Projekt ging als Sieger daraus hervor. Die zweite Hinterrheinbrücke ergänzt die bestehende, denkmalgeschützte Fachwerkbrücke selbstbewusst, aber rücksichtsvoll. Sie ist 198 m lang und ist neben den Widerlagern auf zwei Flusspfeilern und einer V-Stütze gelagert.
Die beiden Flusspfeiler liegen in der Verlängerung der Pfeiler der Fachwerkbrücke während die Position und Orientierung der V-Stütze durch die A13 gegeben ist. Vierarmige Stahlkonstruktionen, die Quadropods, dienen dazu, die Spannweiten des als Stahltrog ausgebildeten Trägers zu reduzieren. Sie sind mit dem Träger verschweisst und gelenkig mit den Flusspfeilern verbunden. Die Stahlbrücke überspannt somit die Nationalstrasse A13 und den Hinterrhein mit einer maximalen Feldweite von 63 m.
Durch die System- und Materialwahl konnte eine grosse Schlankheit des Brückenträgers erreicht werden, die in Kombination mit der gewählten Höhenlage eine gegenüber der historischen Brücke vorteilhafte maximale Transparenz ermöglicht hat. Die während des Bauvorgangs in Betrieb stehende Bahn- und Strasseninfrastruktur stellte hohe Anforderungen an den Bauvorgang.

Der Bauherrschaft und den Projektverfassenden ist es gelungen, eine elegante und zeitgemässe Antwort für diese komplexe Aufgabe zu finden. Die gewählte Vorgehensweise bei der Lösungsfindung und die konsequente Umsetzung der Projektidee bis zum letzten Detail verdienen eine Anerkennung.

23. Juni 2021 | Gianfranco Bronzini

♦ Kopfbau Halle 118, Winterthur

Projektpartner

Bauherrschaft:
Stiftung Abendrot, Basel

Architektur:
baubüro in situ ag, Zürich

Tragwerksplanung:
Oberli Ingenieurbüro AG, Winterthur

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
Wetter AG, Stetten

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Fotos: Martin Zeller

Die Wiederbelebung einer Tradition
Das Entwerfen mit gefundenen Bauteilen, sei es als unsichtbare funktionale Bestandteile oder aber als Spolien, welche den architektonischen Charakter eines Gebäudes prägen, ist Teil einer alten und bedeutenden architektonische Tradition. Aufgrund vieler unterschiedlicher Entwicklungen und Hindernisse ist diese Entwurfstradition aber weitgehend aus der zeitgenössischen Baupraxis verschwunden.

Angesichts des mit 30% bedeutenden Anteils der Rückbauabfälle an den jährlichen Treibhausgasemissionen der Schweiz ist der von der Stiftung Abendrot, dem baubüro in situ ag, dem Ingenieurbüro Oberli und der Wetter AG umgesetzte Ansatz ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Baukultur.
Die Projektverfassenden praktizieren und verfeinern seit Jahrzehnten eine pragmatische und fruchtbare Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt ausgehend von Bauteilen für die der normale Markt keine Verwendung findet. Ausgangspunkt der Aufstockung des Kopfbaus der Halle 118 für Ateliers und Gewerbe, war die Wiederverwendung von andernorts nicht mehr gebrauchten primären Bauteilen wie Tragkonstruktion, Treppe und Fassade.

Alle Dinge die schon da sind sowie Holz, Stroh, Lehm
Die Architektinnen und Architekten von in situ fassen die von ihnen entwickelte Herangehensweise zusammen mit dem griffigen Motto «Alle Dinge die schon da sind sowie Holz, Stroh, Lehm». Mit Dingen die schon da sind ist nicht gemeint, dass die Dinge schon am Ort sind, sondern, dass sie irgendwo schon physisch existieren und dem Projekt zur Verfügung stehen. Diese Vorgehensweise macht aus der Bauaufgabe eine logistische Herausforderung deren Bewältigung zu ungewohnten Ab- oder Unabhängigkeiten zwischen Bauteilen und damit zu einem nur schwer einschätzbaren architektonischen Ausdruck führt. Das Resultat ist bewusst pragmatisch und primär die gebaute Antwort auf die Frage, ob und wie ein funktional komplexer Neubau zu einem grossen Teil mittels wiederverwendeter Stahlbauteile wirtschaftlich erstellt werden kann.

Fazit der Jury
Mit der Verleihung einer Anerkennung drückt die Jury des Prix Acier ihre Wertschätzung für ein Projekt aus, welches nicht nur gedanklich an die alte Bautradition der Wiederverwendung von grossen Bauteilen anknüpft, sondern diese auch gekonnt umsetzt und so eine wichtige und zukunftweisende Verwendung von Baustahl aufzeigt.

23. Juni 2021 | Simon Hartmann

♦ Passerelle des Rives de la Broye, Payerne

Projektpartner

Bauherrschaft:
Implenia Immobilier SA, Renens

Architektur:
savioz fabrizzi architectes, Sion

Tragwerksplanung:
INGENI SA, Carouge

Stahl- und Metallbau Unternehmen:
Stephan SA, Givisiez

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Film: Roger Riedi, Saas, für das Stahlbau Zentrum Schweiz

Fotos: Thomas Jantscher

Das Projekt für die Fussgänger- und Fahrradbrücke über die Broye vom Ingenieurbüro Ingeni SA und von Savioz Fabrizzi Architectes ging als Sieger aus einem Wettbewerb im Einladungsverfahren hervor. Die 3 Meter breite Passerelle aus wetterfestem Baustahl (Corten) überspannt das Flüsschen Broye im waadtländischen Payerne mit einer Spannweite von gut 36m.

Sie verbindet elegant die durch eine alte Baumallee gesäumten Uferwege zwischen einem Wohngebiet am rechten mit einem Industriegebiet am linken Ufer.
Auf den ersten Blick wirkt die Passerelle wie eine rein funktionale Trogbrücke. Dem versierten Betrachter sticht aber sofort die ungewohnte Transparenz der Konstruktion ins Auge, welche sogar die dahinterliegenden Bäume durch die rautenförmigen Blechausschnitte im Steg durchschimmern lässt und sich so harmonisch in die malerische Landschaft einfügt.
Mit einer sorgfältig konzipierten Beleuchtung wird mit diesem Effekt auch nachts gekonnt gespielt. Diese ausgeprägte Transparenz konnte primär dank der Einspannung der Passerelle an den beiden Widerlagern erreicht werden. Die Ingenieure von Ingeni reizten diesen Parameter konsequent aus: Der Wendepunkt, wo die Druckkraft im Oberflansch in eine Zugbelastung übergeht, liegt ziemlich exakt im Drittelspunkt der Spannweite.
Das Lagereinspannmoment bewirkt neben einem deutlich verbesserten Schwingungsverhalten ein geringeres Biegemoment in Feldmitte und damit verbunden geringere Druckkräfte im Oberflansch. Dies ermöglichte es, den Oberflansch nicht wie gewohnt zentrisch über dem Steg, sondern seitlich, winkelförmig dahinter verborgen, anzuordnen und durch lediglich vier zurückversetzte vertikale Spezialrippen zu stützen. Diese zurückversetzte Anordnung der vertikalen Bauteile ist die Grundlage für den mit dem harmonisch auslaufenden Rautenmuster nahtlos erzeugten Licht-Schatten-Effekt.
Die Rautenwinkel folgen in diesem Muster dem Verlauf der Spannungstrajektorien und der Öffnungsgrad im Steg reduziert sich fliessend mit zunehmender Querkraft zu den Auflagern hin. Die Planenden haben es dabei nicht nur bei einer reinen Perforation der Stegbleche belassen, sondern durch partielle Schrägstellung des Schneidkopfs beidseits eine Anschrägung der Rautenschnittkanten erzeugt, was den Transparenzeffekt durch Lichtreflektionen zusätzlich verstärkt. Nur dank numerischen Berechnungsmethoden konnte dieses Rautenmuster optimiert und die für den automatisierten Blechzuschnitt notwendigen Maschinensteuerungsdaten automatisch generiert werden. Es ist ein ausgezeichneter Beweis dafür, dass die Digitalisierung und die parametrische Planung im Stahlbau längst Einzug gehalten haben.
Der unendlich rezyklierbare Werkstoff Stahl lässt zudem das Gedankenspiel zu, dass die hier herausgeschnittenen Blechstücke nach der Aufbereitung im Walzwerk bei einer anderen Passerelle eine tragende Rolle übernehmen werden.

Die verborgen mutige Ingenieurleistung, die dezente Gestaltung der Planenden und die höchst anspruchsvolle aber sorgfältige Umsetzung des Stahlbauers verdienen eine Anerkennung.

23. Juni 2021 | Bernhard von Mühlenen

Die Fachjury

Die Projekte wurden von einer vom SZS einberufenen Jury beurteilt.

(Bei allfälliger Projektbeteiligung der Juroren traten diese in den Ausstand)

Jurypräsidentin: Astrid Staufer

Astrid Staufer :

Astrid Staufer

Dipl. Arch. ETHZ BSA SIA

Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld / Leiterin Institut Konstruktives Entwerfen Zürcher Hochschule Winterthur ZHAW / Prof. TU Wien

Jurypräsidentin

Gianfranco Bronzini :

Gianfranco Bronzini

Dipl. Bauing. FH SIA REG A

Mitinhaber Ingenieurbüro Conzett Bronzini Partner AG, Chur / Tragwerksexperte Studiengang Architektur ZHAW Winterthur / Mitglied Berufsgruppenrat Bauingenieure im SIA / Vorstandsmitglied IABSE Schweiz

Sébastien Emery :

Sébastien Emery

Dipl. Ing. HES

 

Leiter der Abteilung Stahlkonstruktionen der STEPHAN SA in Fribourg / Mitglied der Antenne Romande des SZS
Gabriele Guscetti :

Gabriele Guscetti

Dipl. Ing.  EPFL SIA, FAS

Gründer und Partner des Bauingenieurbüros Ingeni SA, Genf, Lausanne, Freiburg, Zürich
Simon Hartmann :

Simon Hartmann

Dipl. Architekt ETH BSA

HHF architekten ETH SIA BSA, Basel / Prof. KIT Karlsruhe

Aldo Nolli :

Aldo Nolli

Dipl. Architekt ETH SIA BSA

Durisch + Nolli Architetti Sagl, Massagno

Jacqueline Pauli :

Jacqueline Pauli

Dr. sc. ETHZ Bauing. SIA

Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung, ZPF Ingenieure, Basel, Zürich / Leiterin CAS Stahl Digital HSLU Luzern / Dozentin für Baustoffe am Department Architektur ETH Zürich /Mitglied SZS Technische Kommission / Vorstandsmitglied SIA Fachgruppe Brückenbau und Hochbau

Judit Solt :

Judit Solt

Dipl. Arch. ETHZ SIA / Fachjournalistin BR

Chefredaktorin TEC21, Zürich

Bernhard von Mühlenen :

Bernhard von Mühlenen

Dipl. Bauing. HTL eMBA

Abteilungsleiter Stahlbau SENN AG, Oftringen / Vorstandsmitglied SZS

 

Die Preisträger/innen Prix Acier 2021

Fotos: Natalie Bänninger